Diesen Faltschnitt-Künstler habe ich nur entdeckt, weil ich nach Jahren wieder einmal in der Zeitschrift „Pinguin“ blätterte, über die ich promoviert habe. In der Ausgabe 1/1947 gab es einen Artikel über den amerikanischen Faltschnitt-Künstler Emery I. Gondor (*26.05.1896 + 26.12.1978) und auch gleich eine Vorlage für einen Pinguin.

Ich habe wirklich viel im Internet recherchiert, aber der Name des Künstlers taucht auch in der Papier-Falt-Kunst-Szene nicht auf. Dabei war er in der Nachkriegszeit in den USA sehr bekannt, seine Shows waren ausverkauft und er hatte eine „Papier-Schnitt-Kolumne“ in einem amerikanischen Magazin.

Immerhin habe ich ein bisschen über sein Leben herausgefunden, er war vor der NS-Zeit unter seinem Namen Imre (Emerich) Göndör u. a. Karikaturist in dem berühmten Kabarett „Katakombe“ von Werner Finck und er hat auch in Berlin für namhafte Zeitungen gezeichnet. Karl May-Fans kennen ihn vielleicht, er hat nämlich 1929 drei Zeichnungen als Illustrationen zu Rundfunkankündigungen von „Der Schatz im Silbersee“ und „Orangen und Datteln“ angefertigt. Wegen seiner jüdischen Wurzeln musste der gebürtige Ungar 1935 emigrieren und sich in Amerika ein neues Leben aufbauen. Das hat er geschafft, aber anscheinend nicht nachhaltig, sonst hätte ja zumindest die amerikanischen Faltkünstler ihn schon einmal in Artikeln erwähnt.

Mir war es auch deshalb wichtig auf ihn hinzuweisen, weil seine Figuren genau dem Prinzip entsprechen, das ich in einem Seminar im letzten November kennengelernt habe. Damals entstand bei mir und anderen TeilnehmerInnen der Eindruck, die Faltschnitt-Idee stamme vom Initiator des Seminars. Ich habe sie in älteren Büchern aus der Zeit vor dem Krieg gefunden und Emery I. Gondor hat sie in den USA bekannt gemacht. Ich habe außer den Figuren, die hier zu sehen sind, noch Anleitungen für weitere Modelle gefunden, die sind allerdings so klein, dass ich sie zuerst vergrößern muss 🙂 Für einen ersten Eindruck reichen die Beispiele, finde ich.

Hier ist der Artikel von Annemarie Czettritz aus dem „Pinguin“, den ich in der Originalgröße meines Fotos einscanne, weil es mir wichtig ist, dass Emery Gondor wenigstens in der Papier-Szene bekannt wird. Die Zeitschrift ist im Januar 1947 im Rowohlt Verlag erschienen.

Emery I. Gondor im Karl-May-Wiki

Lebensdaten von Emery I. Gondor auf genealogy.net

Porträt von Emery Gondor