Am letzten Wochenende habe ich auf der Burg Fürsteneck ein Seminar zum Thema „Die magische Papierkunst“ besucht. Ich hatte nur eine vage Vorstellung davon, was mich erwartet, wollte aber unbedingt etwas für tun, um meinen „Papier-Horizont“ zu erweitern. Nachdem das Seminar zum Papierfalten nach Bauhaus in der Bauhaus-Bundesschule ausgefallen ist, dachte ich, ich wende mich der Magie zu 🙂 Die Arbeit mit dem Papier hatte auch wirklich etwas Magisches. Wir hatten anfangs ein Stück Papier vor uns liegen auf dem scheinbar sinnlose Linien zu sehen waren, die wir ausschneiden sollten. Daraus ergab sich dann – nicht durch Wunder, sondern geschickte Faltung 🙂 – eine Figur.

Julian’s Papercraft (JPC)

Aus den Resten meines „Pfauen-Gefieders“ hat eine der Teilnehmerin noch einen Lindwurm gezeichnet 🙂

Nun kommt der Moment, an dem ich zugeben muss, dass ich die Ausschreibung nicht richtig gelesen habe. Ich dachte, diese Methode des Umgangs mit Papier sei traditionell. Sie wurde allerdings erfunden von Julian Park, der auch selbst am Seinar teilnahm. Er beschäftigt sich bereits seit Jahrzehnten mit den Möglichkeiten, die kulturelle Formen für Erziehung und Therapie bieten. Einen Schwerpunkt bildete das Theater, vor ca. 15 Jahren hat er dann das Papier als Medium entdeckt. Wobei sich sein Konzept nicht im Schneiden und Falten erschöpft, sondern er immer auch weiter in Szenen und Geschichten denkt. Mich hat vor allem die Papier-Technik interessiert, ich würde sie beschreiben als Umwandlung von Scherenschnitten in 3D. Während man bei Scherenschnitten die Figur aus einem Teil schneidet und auch immer vor Augen hat, schneidet man bei JPC, wie er seine Methode nennt, etwas, das erst durch Falten und Zusammenstecken einen Sinn ergibt. Insofern enthält die Technik wirklich eine magische Komponente.

So entstehen die Figuren

Die Figuren sind urheberrechtlich geschützt, daher zeige ich euch hier nicht im Detail, wie sie entstehen, sondern grob den Ablauf, damit ihr eine Vorstellung bekommt.

  1. So sieht die Vorlage aus:
  2. Sie wird zunächst in der Mitte gefaltet und dann wird auf den Linien geschnitten:
  3. Das Ergebnis wird dann zusammengesteckt und bekommt so einen 3D-Effekt:

Unsere Werke

Obwohl oder gerade weil an dem Kurs nur wenige Personen teilnahmen, haben wir viele Tiere gestaltet und in Szene gesetzt. Zunächst haben wir eine Auswahl von Tieren geschnitten und gestaltet, danach sollten wir uns ein Tier auswählen – für mich kam nur der Elefant in Frage 🙂 (Wer es nicht weiß, ich habe Jahrzehnte Elefanten gesammelt und kann noch heute nur schwer an etwas Elefantigem vorbeigehen, ohne es zu fotografieren oder gar mitzunehmen!) Die Aufgabe lautete dann, sich vorzustellen, was sich dieses Tier wünschen könnte. Passend dazu sollten wir einen Hintergrund gestalten und eine Geschichte entwickeln. Ich habe die gleich aufgeschrieben, muss sie aber noch überarbeiten, es geht um einen Elefanten, der lieber die Hautfarbe eines Tigers haben möchte.

Mein Fazit

Ein inspirierender Workshop, bei dem ich neben der Papiertechnik viel nebenbei gelernt habe, an dem ich weiterdenke. Faszinierend war, dass sich die sehr heterogene Gruppe durch die Arbeit mit dem Papier zu einer Gemeinschaft entwickelt hat. Etwas irritiert hat mich, dass die Veranstaltung als eine Art Kickoff für den Start in Europa oder Deutschland gesehen wurde. Das war mir bei der Anmeldung nicht so klar, aber vielleicht lag es daran, dass der Erfinder der Technik selbst immer wieder teilnahm. Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickeln wird. Ich werde auf jeden Fall beim Papierfalten bleiben, weil mich dabei fasziniert, dass ich das überall aus jedem Papierstück ohne Hilfsmittel umsetzen kann. Aber für das nächste Buchprojekt steht ohnehin die Kombi aus Falten und Schneiden an, vielleicht gibt es da dann Überschneidungen. Aber darum kümmere ich mich nächstes Jahr, jetzt falte ich erst ein paar Sonnensterne, die ich vor einem Jahr vorgestellt habe und die bei Pinterest gerade ein Renner zu sein scheinen 🙂