Als ich anfing, mich intensiver mit den Möglichkeiten des Papierfaltens zu beschäftigen, habe ich auch in den Regalen mit Materialien zur Kinderbeschäftigung gestöbert. Dort fand ich eine Packung mit Papier und ein Plastikteil, mit dessen Hilfe ich das Papier falten konnte und sollte. Ich gebe zu, ich habe es nicht so richtig hinbekommen, vermutlich, weil sich mir der Sinn des Plastikteils nicht erschloss. Also habe ich zuerst versucht, das gleiche Ergebnis aus einem Quadrat zu erzielen – und ohne Plastikteil zu falten. Das klappte zwar, wurde aber ziemlich dick, wenn man die Module ineinander steckte. Also habe ich doch – wie in der Packung – Rechtecke ausgewählt und die nach einem eigenen Prinzip gefaltet. Schnell hatte ich den ersten Marienkäfer zusammengesteckt, inzwischen nutze ich große Papierstreifen und entsprechend kommen größere Figuren heraus. Und mich hat interessiert, woher diese Technik, die ich in keinem Buch vorher entdeckt hatte, stammt.

Golden Venture, 3D-Origami, Chinese Paper Folding, oder was?

Schließlich fand ich im Origami Resource Center heraus, dass diese Art des Papierfaltens aus China kommt. Bekannt wurde es im Westen erst 1933 durch chinesische Einwanderer, die in einem amerikanischen Hafen auf ihre Einreise warteten. Um sich die Zeit zu vertreiben, falteten sie viele kleine Papiermodule und steckten sie zu Figuren zusammen. 2006 gab es einen Film darüber, in dem diese Beschäftigung thematisiert wurde. Nach dem Schiff, mit dem die Emigranten in die USA kamen, hieß Golden Venture, danach wurde diese Falttechnik, die sich zunehmend ausbreitete genannt. Ich hatte bis vor zwei Jahren noch nichts davon gehört. Aber ich war gleich begeistert von diesem Prinzip, dem allerdings eine Fleißaufgabe zugrunde liegt. Man muss zunächst viele Teile falten, um sie zusammenzustecken. Aber das Falten der Teile ist eine wunderbare Beschäftigung in Wartezeiten, seit ich solche Teile falte, nervt es mich nur noch selten, wenn ich beim Arzt warten muss 🙂 Inzwischen haben sich andere Begriffe als Golden Venture Folding etabliert, am gängigstens international ist „3D-Origami“, was aber nicht richtig ist, weil fast alle Origamifiguren dreidimensional sind. Das gilt ebenso für „Modulares Origami“, denn auch davon gibt es viele weitere Figuren, bei denen mehrere Elemente zusammengesteckt werden müssen. Ein Verlag hat diese Variante des Faltens „Tangrami“ genannt, was mich in die Irre geführt hat, weil ich dachte, da würde aus den Formen des Tangram gefaltet (was eine gute Idee wäre, das muss ich direkt ausprobieren 🙂 ), deshalb verwende ich den Begriff Steckorigami, auch nicht ganz eindeutig, aber man ahnt schon, dass man falten und stecken muss.

Das Steckorigami-Prinzip

Was ich hier vorstelle, ist MEIN Prinzip. Im Internet gibt es verschiedene Varianten, ich hatte mich schon an meines gewöhnt, als ich diese entdeckte und bin dabei geblieben.

  1. Am Anfang steht ein Rechteck im Seitenverhältnis 1 : 2, das einmal längst gefaltet wird.
  2. Das Ergebnis wird in der Mitte gefaltet, sodass die schmalen Kanten aufeinanderliegen und gleich wieder geöffnet.
  3. Die beiden Hälften werden nun entlang der Mittellinie nach unten gefaltet.
  4. Das Teil wird gedreht und die überstehenden Elemente werden jeweils diagonal zur geschlossenen Seite gefaltet – von außen nach innen, sodass am Ende eine Figur entsteht, die wie ein Haus aussieht, das auf dem Kopf steht.
  5. Die nun überstehenden Dreiecke werden auf das Rechteck gefaltet.
  6. Das Rechteck wird in der Mitte gefaltet, sodass die schmalen Kanten aufeinanderliegen. An der geschlossenen Seite sind nun zwei Taschen zu sehen, in die die Spitzen eines weiteren Teils gesteckt werden.

Das ist das Grundprinzip. Wie es dann weitergeht, das erkläre ich in einem weiteren Blogbeitrag 🙂

Weitere Links zum Nachlesen

http://www.instructables.com/id/Golden-venture-folding/

http://www.britishorigami.info/lister/goldenventure.php