In dem Museum Marta Herford ist derzeit die Ausstellung „Ausbruch aus der Fläche – Das Origami-Prinzip in der Kunst“ zu sehen. Schon als ich die ersten Bilder sah, wusste ich, die Ausstellung muss ich mir anschauen, auch wenn Papier im Gegensatz zur Coda PaperArt kaum eine Rolle spielt. Als ich gestern Mittag überraschend mit der Rohfassung meines Manuskripts fertig war, habe ich mir spontan frei gegeben und bin nach Herford gefahren. Das passte gut, denn am ersten Mittwoch im Monat ist das Museum bis 21.00 Uhr geöffnet und gestern war eine Origami-Expertin dort, mit der Besucherinnen und Besucher falten konnten 🙂

Das Origami-Prinzip in der Kunst

Dass das Origami-Prinzip in der Natur vorkommt und vielleicht sogar die Natur zum Papierfalten inspiriert, ist ja nichts Neues. Jeder, der Insektenflügel genauer betrachtet hat, hat das schon gesehen. Dass Faltungen im Alltag häufig eingesetzt werden, ist weniger im Bewusstsein, eine Präsentation auf einem Tablet in der Ausstellung erinnert daran, wo und wie unserer von Menschen gemachten Umgebung gefaltet wird.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Kunstwerke, die die Grundidee des Faltens aufgegriffen haben. Da gibt es „einfache“ Faltungen großer Papierbögen, Knicke in Metallstäbe, zusammengenähte Stoffalten, Papierfaltungen nachgeahmte Holzbuchstaben, eine Spindel in Fächerfaltung, einen „gefalteten“ Spiegel, der ganz unterschiedliche Wahrnehmungen ermöglicht. Mein Lieblingskunstwerk ist das Gemälde von Mona Ardeleanu, wer meine LiteraturArt kennt, kann sich denken warum. Die Grundstruktur des Hintergrundes für die drei kleineren Bilder sind gefaltete Quadrate, sie sind anders gefaltet wie meine Lieblingsform, aber diese Form habe ich für einige Quadrate meines 365-Papersquares-Projektes auch verwendet. Aber die Quadrate sind nicht gefaltet, sondern gemalt. Super, oder? An zweiter Stelle stehen die Foto-Falt-Objekte von Sinta Werner. Die ersten vier haben mich so begeistert, dass ich gleich überlegte, wie ich Falten und Fotos verbinden kann. Ich hatte schnell eine Idee – als ich in den nächsten Raum kam, musste ich feststellen, dass die Künstlerin fast die gleiche Idee hatte 🙂

Eine inspirierende Ausstellung

Die Werke von Mona Ardeleanu

Da bin ich schon unversehens bei meiner Einschätzung der Ausstellung, für mich war sie erhellend, inspirierend und motivierend, auf meinem Papierweg weiterzugehen. Ich habe viele Anregungen mitgenommen, manches werde ich für euch nachfalten, anderes werde ich für meine eigenen Kunstwerke modifizieren bzw. weiterentwickeln. Mal sehen, was daraus wird. Auf jeden Fall eine sehenswerte Ausstellung, die mit über 90 Malereien, Skulpturen, Fotografien, Installationen und Videos das Thema „Falten“ in den Blick rückt. Es gibt viel zu sehen, zu staunen, zu denken und am Ende sogar zu tun. Denn im letzten Raum gibt es eine Faltarena, in der Papier bereit liegt, um mithilfe der ausliegenden Bücher selbst etwas zu falten oder wie gestern unter Anleitung einer Origamistin aktiv zu werden. Heide Meyer, die die BesucherInnen an das Falten herangeführt hat, faltet selbst seit 30 Jahren, ist fast so lange Mitglied im Verein Origami Deutschland e. V. und hat selbst einige Faltfiguren erfunden. Faszinierend war, dass immer mehr Frauen sich zu uns setzten und mitfalteten, fast immer bildete sich noch eine Zuschauergruppe um die Faltarena, die übrigens sehr schön abgetrennt war.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 3. Juni Museum Marta Herford, weitere Informationen unter www.marta-herford.de