Wieder einmal habe ich etwas ganz anderes gesucht und die Dokumentation zu einer Ausstellung gefunden, die sich vor fast dreißig Jahren mit Ausschneidebögen beschäftigt hat. Ich habe als Kind Ausschneidebögen geliebt, die gab es nämlich für 50 Pfennig bei Ihr Platz! Natürlich musste ich mir den Katalog ausdrucken, lesen und muss nun meine neuen Erkenntnisse weitergeben.
Zur Geschichte der Ausschneidebogen
Auch wenn die Ausstellung „Kleine Welt aus Papier. Ausschneidebogen von gestern und heute“ vom 16. August 1987 bis 3. Januar 1988 stattgefunden hat und sich seither sicher einiges getan hat, beziehe ich mich für den historischen Teil auf den Katalog, denn da wird sich wohl kaum etwas geändert haben.

Auszug aus dem Bastelbogen von Alma Buscher-Siedhoff aus dem Jahr 1927, erschienen im Otto Maier-Verlag, fotografiert im Bauhaus-Museum Weimar
Die Geschichte der Ausschneidebögen beginnt ungefähr im 18. Jahrhundert, zumindest lässt sie sich soweit zurückdatieren. Das Interesse an Ausschneidebögen wurde geweckt durch Schneidearbeiten, für die – wie heute für Collagen – vorhandenes Bildmaterial ausgeschnitten wurde, ohne dass es explizit für diesen Zweck gedruckt worden war. „So wurden für die Dekoration des indianischen Lackkabinetts in Schloß Brühl im 18. Jahrhundert die herrlichen Kupferstiche der Maria Sybilla Merian zerschnitten“ (ca. S.7 des Katalogs), man schreckte aber auch nicht davor zurück Künstlerlexika oder sogar Handschriften zu zerschnippeln, um Wände zu schmücken. Vermutlich hätten sich diese Künstler auch gar nicht mit Ausschneidebögen befasst, bei denen die auszuschneidenden Elemente für ein Modell auf einem Bogen möglichst platzsparend angeordnet waren. Aber als Hobby – nicht nur für Kinder – fanden diese Bögen großen Anklang.
Motive der Ausschneidebogen

Die Papierkrippe habe ich in der Ausstellung in der Papiermühle Alte Dombach fotografiert.
Die Motive waren ganz unterschiedlich von Aufstellszenen aus dem täglichen Leben bis zu Papiersoldaten, Papierkrippen, Hampelmännern und Ankleidepuppen, die es heute noch oder wieder als Schreiber-Bogen für den Kartonmodellbau gibt. Neben einzelnen Bögen gab es sogar ganze Baukästen für große Szenen. Da die Nachfrage groß war, wurden die Hersteller bei der Suche nach Motiven kreativ, sogar einen Globus zum Ausschneiden und zusammenkleben gab es. Das war etwas, das die Ausschneidebögen von reinen Bilderbögen unterschied, die Elemente hatten alle oder teilweise kleine Faltlaschen – bei den Ankleidepuppen konnten damit die Kleider an den Puppen befestigt werden, beim Globus oder anderen dreidimensionalen Modellen konnten damit mehrere Bauelemente verdeckt zusammengeklebt werden. Dr. Heinrich Rockstroh sprach daher in seinem Buch 1802 auch nicht von Kleben, sondern gab eine „Anweisung zum Modellieren aus Papier“, 1810 wurde das Buch dann unter dem Titel „Die Kunst mancherlei Gegenstände aus Papier zu formen“ neu aufgelegt. Heute ist es als Reprint erhältlich, enthält aber wohl nur allgemeine Informationen zum Kartonmodellbau, daher ist es für mich nicht soooo interessant, da kaufe ich lieber alte Papierfaltbücher 😊

Die Ankleidepuppe habe ich in Hagen im Shop des LWL-Freilichtmuseums gekauft.
Interessant fand ich – da kommt die Pädagogin durch 😊 – dass Ausschneidebögen schon in ihren Anfängen erzieherisch eingesetzt wurden, um Jungen auf ihre Rollen als Handwerker, Soldaten etc. hinzuweisen und Mädchen – man ahnt es – auf ihre Aufgaben in Haus und Haushalt. Unabhängig davon dienten die Ausschneide- oder Modellierbögen auch dazu, Wissen zu vermitteln und den Horizont zu erweitern, in dem Programm des Anbieters Teubner spiegelte sich das durch Reihen wie „Aus deutschen Landen“, „Aus fremden Landen“ und „Aus vergangenen Tagen“ wider. Teils waren die Modelle naturgetreue Nachbildungen von Gebäuden, teils eher Modelle aus der Rubrik „Wie sich die Hersteller die Welt vorstellen“. Die Förderung von Fingerfertigkeit und Ausdauer waren eher Abfallergebnisse.
Ausschneidebogen nach dem Zweiten Weltkrieg
Die Entwicklung des Ausschneidebogens bis zum Ende des Zweiten Weltkrieg ist laut Katalog von 1987, heute hat sich das vielleicht geändert, diffus. Nach dem Wiederaufbau kristallisieren sich einerseits einige Verlage heraus, die Modellbogen zum Schwerpunkt machen wie die Firma Schreiber, von denen ich zwei neuere Modellbogen besitze, andererseits nutzten Vereine oder auch Museen das Medium als Merchandising und Unternehmen für die Kundenbindung. So habe ich überhaupt erst Ausschneidebögen kennengelernt, weil die Drogeriekette „Ihr Platz“ diese Bögen für 50 Pfennig an Kund:innen abgab. Leider sind alle meine Modelle irgendwann verloren gegangen, ich erinnere mich an Häuser, Fahrzeuge, einen Bauernhof und natürlich an Ausschneidepuppen.

Das Schweinchen gab es vor Jahren zum Jahresende vom Online-Kunsthandwerk-Shop Kasuwa.
Da ich selbst bis heute ein Fan solche Bögen bin, allerdings nicht unbedingt der aufwendigen, wie sie Schreiber anbietet, sondern eher der kleinen, schnell umzusetzenden, versuche ich in Bastelbücher auch kleine Ausschneidebögen unterzubringen 😊 Und ich freue mich über Ausschneidekarten, wie sie vor einigen Jahren der Online-Kunsthandwerkermarkt Kasuwa zu Weihnachten verteilte. Ich habe direkt alle Motive gekauft und habe mich zuerst nicht getraut, sie zu basteln, weil sie als Bögen so schön aussehen – und nun finde ich sie nicht wieder ☹ Aber das Schweinchen hatte ich doppelt, da habe ich doch noch Schwein gehabt 😊 © 2025 Dr. Birgit Ebbert www.PapierZen.de
Einige Ausschneidebogen-Ergebnisse aus meinem Foto-Archiv
Vor einigen Jahren bei der Intermodellbau entdeckt.
Papiermodelle aus dem Papiermuseum in Lenningen

Ausschneidebogen und Papierkrippe aus dem Spielzeugmuseum in Rhede, in dem ich 2014 eine Krippenausstellung besucht habe.
Aus einem Ausschneidebogen gebasteltes Hexenhäuschen, dieses habe ich im DDR-Museum in Gotha fotografiert, aber ich erinnere mich gut daran, dass ich ein ähnliches Häuschen selbst aus der Verpackung von Lebkuchen gebastelt habe.
Ob diese Matruschka aus einem Ausschneidebogen entstand, weiß ich nicht, aber sie sieht so aus und ich wollte sie immer schon gerne in meinem Blog unterbringen, das Foto entstand ebenfalls im DDR-Museum Gotha.
Beiträge im PapierZen-Blog mit Ausschneidebogen
„101 Ideen zum Selbermachen für A4-Papier“ von Judith Hannam (2016)