Ich habe angefangen, nach Traditionen und Bräuchen zu suchen, die mit Papier verbunden sind, weil ich gerne dazu beitrage, dass sie nicht vergessen werden. Für den Mai habe ich gleich mehrere Besonderheiten gefunden: das Maibild oder die spezielle Form, das Maiherz, und die Maitremse, die es wohl nur in meiner Heimatstadt gibt. Irgendwie haben auch manche Maibäume mit Papier zu tun, weil an ihnen bunte Streifen aus Krepppapier befestigt werden.

Maibild oder Maiherz

Ich habe so ein Maiherz gebastelt, ich sag`s euch, dafür muss man den Menschen, der es bekommt schon sehr lieben. Ok, vielleicht hätte ich nach einem kleineren Herz aus Styropor gucken sollen, aber ich war froh, dass ich in der Innenstadt überhaupt fündig wurde. Das ist nämlich die Basis für das Maibild oder Maiherz – eine Platte oder ein Herz aus Styropor. Das kann man kaufen, am leichtesten rund um den Valentinstag. Außerdem braucht man Klebstoff oder Stecknadeln (meine Wahl) und Papier, meist wird Kreppapier verwendet, aber ich hatte noch rote Papierstreifen und habe diese endlich genutzt. Was soll ich sagen, die wirklich vielen Papierstreifen reichten nicht, deshalb seht ihr in meinem Herz helle Punkte, da habe ich anderes Papier, dass ich auch aufräumen musste, eingesetzt. Die Papierstreifen werden eigentlich zu Röschen gefaltet und aufgeklebt, da ich die Röschen aber in einem anderen Beitrag zu einem Brauch vorstellen möchte und es für diese Herzen verschiedene Techniken gibt, habe ich Puschel gebastelt. Dazu wird jeder Papierstreifen an einer Seite eingeschnitten (ich habe die Streifen zweimal zusammengefaltet, damit ich nicht so viel schneiden musste 😊 ) und dann an der anderen Seite zusammengerollt. Das Ende wird festgeklebt und dieser kleine Puschel wird auf das Herz oder die Styroporplatte geklebt oder gesteckt. Ich schätze, dass ich ca. 300 oder mehr Puschel gebraucht hätte, um das Herz komplett zu bestücken. Ich habe etwas gepfuscht und geschickt fotografiert 😊

Und das Maiherz ist trotzdem noch relativ leicht herzustellen, weil man nur viele Streifen aus rotem Papier schneiden, rollen und kleben muss. Für die Maibilder müssen sich die KünstlerInnen an ein Muster halten, auf der Seite vom Junggesellenverein Körrenzig seht ihr Beispiele für solche Maibilder und irgendwo habe ich gelesen, das für manche Bilder mehrere 10.000 Papierröschen erforderlich sind. Das ist zwar sicher entspannend, aber da bin ich raus – zumal diese Bilder teilweise im Freien präsentiert werden, ein Regenguss und alles ist hinüber! Ich sag ja, das muss wahre Liebe sein – zu einem anderen Menschen oder zum Brauchtum.

Die Maitremse

Apropos Brauchtum. In meiner Heimatstadt wird am 1. Mai die Maitremse aufgehängt, sie besteht aus einem Drahtgestellt, an das Ketten aus Papier (!) und ausgeblasenen Eiern gebunden werden. Die zentrale Maitremse hängt auch heute noch oder heute wieder auf dem Marktplatz, wo ich schon als Kind an den Maisonntagen mit anderen Kindern unter der Maitremse gespielt habe. Es wurden Kreisspiellieder gesungen wie „Wir öffnen jetzt das Taubenhaus“ oder „Schornsteinfeger ging spazier’n“, wir gingen im Kreis, sangen und spielten das, was das Lied uns vorgab. Die Maitremse wurde jedes Jahr wiederverwendet und ggf. erneuert, ich vermute, dass sich der Heimatverein darum gekümmert und notfalls neue Papierketten gebastelt hat. Auf dem Bild seht ihr vielleicht, dass das die einfachen Ketten sind, für das Ringe aus Papierstreifen gefaltet werden und ein Streifen zunächst durch den anderen gezogen wird, ehe er zu einem Ring geklebt wird.

Auf Anleitungsbilder habe ich in diesem Beitrag verzichtet, ihr kriegt das auch so hin. Und wenn euch Bräuche mit oder um Papier einfallen, mailt mir, ich habe mir vorgenommen, sie zu den passenden Daten vorzustellen.

Links zum Beitrag

Mai-Brauchtum als Zeugnis alter und neuer Liebe (www.herzogmagazin.de)

Anleitung für ein Maibild, die ich im Schriftstellerforum gefunden habe

Maitremse – ein Nachbarschaftsbrauch in Borken (www.heimatverein-borken.de)

Ein Artikel, den ich vor Jahren schon über die Maitremse und ihre Hintergründe geschrieben habe (www.birgit-ebbert-blog.de)