Dieses Buch war ein Geschenk, als ich anfing, mit Papier zu gestalten, ich weiß allerdings nicht mehr von wem. Ich war gleich begeistert, weil „Basteln im Vorschulalter“ Modelle enthält, die ich vorher noch nie in Bastel- oder Faltbüchern gesehen hatte. Abgesehen davon, ist die Entwicklung im Vorschulalter mein pädagogischer Schwerpunkt und schon daher war ich fasziniert von dem Buch.

Über das Buch „Basteln im Vorschulalter“

Schon der Verlag, in dem dieses Buch, das Basteln als „Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung sieht“, erschienen ist, verrät, woher es stammt: der Volk und Wissen Verlag Berlin war der staatseigene oder staatsnahe Verlag der DDR. Der Autor F.W. Becker war Lehrer für das Fach Kunsterziehung an der Pädagogischen Schule für Kindergärtnerinnen in Magdeburg. Meine Ausgabe ist aus dem Jahr 1972, das sei laut Impressum die 3. Auflage der Ausgabe 1970. Möglicherweise gab es eine frühere Auflage. Der Autor ist übrigens vor allem für den praktischen Teil verantwortlich, beim ersten Kapitel über „Die Bedeutung des Bastelns für die sozialistische Erziehung der Vorschulkinder und die Entwicklung ihrer Persönlichkeit“ bekam er Unterstützung von Dr. päd. Irmgar Launer „Leiterin des Wissenschaftsbereiches Vorschulpädagogik der Sektion Pädagogik ‚F.A.W. Diesterweg‘ an der Humboldt-Universität zu Berlin“ und Dr. päd. Marga Arndt, Leiterin der Abteilung Vorschulerziehung im Verlag.

Zu den Inhalten der Papiergestaltung in dem Buch

Das Basteln mit Papier bildet den Schwerpunkt des Buches neben Werken mit Holzabfällen, Natur- und Industriematerial, auch wenn das Kapitel „Papiergestaltung im Kindergarten“ erst ab Seite 148 relevant ist. Vorher werden vor allem allgemein handwerkliche Techniken und Materialien vorgestellt. Trotz der Einleitung mit Bezug zur sozialistischen Erziehung verraten die Anleitungen zur Gestaltung mit Papier nichts über einen ideologischen Hintergrund, wie er in dem Buch „Schnipsel-Schnapsel“ deutlich wurde.

Es finden sich Faltfiguren und Faltschnitt-Modelle, die ich aus anderen Büchern kenne, interessant ist vielleicht der teils künstlerische Anspruch, den ich so noch nicht gesehen hatte. Dabei denke ich vor allem an die Abb. 18 und die Karten rechts unten. Aber auch beim Flechten tauchen Varianten auf, die mir neu waren und ich habe in der letzten Zeit viele alte Bücher durchgesehen. Persönlich interessant fand ich die Figuren aus dem Silberpapier aus Schokoladenverpackungen, die ich aus meiner Kindheit kenne.

Als ich die „Wimpelkette“ sah, fiel mir hingegen gleich ein ziemlich aktuelles Buch ein, in dem genau diese als Girlande beschrieben wurde. Gefaltet werden ein Serviettenbehälter, ein Fangbecher, sprich: den Trinkbecher mit Kugel, der Trinkbecher als Fez, ein Briefumschlag, ein Hut, ein Schiff, ein Windrad, Sterne und aus einer Serviette wird im Faltschnitt ein Fallschirm geschnitten. Der „Pfeffer- und Salznapf“ wird nach dem Falten mit kleinen Dreiecken dekoriert und die Schachtel wird – anders als in den Bastelbüchern aus der Zeit meiner Kindheit – gefaltet, ohne dass etwas eingeschnitten wird. Das erklärt endlich, warum meine Freundin, die ihre Kindheit in der DDR verlebt hat, diese Variante kannte, während ich nur die Anleitung mit Einschnitt gelernt hatte.

Die Schachtel wurde in dem Buch übrigens auch mit einem Faltschnitt dekoriert. Der „Klapperschnabel“ fehlt ebensowenig wie die Hexentreppe als Körper einer Schlange – mit gefaltetem Klapperschnabel 😊 Geldtasche, Wurfpfeil, Bank, Puppenbett und andere Möbel schließen den Bereich „Falten“ ab. Allerdings geht es dann weiter mit der Faltschnitt-Laterne und Klapp-Tischkarten, Faltschnitt-Sternen, -Bäumen, -Schlitten und -Figuren, für die auch gleich Faltschnitt-Kleidung hergestellt wurde. „Figürliche Reihenschnitte“, die ich gerne Girlandenmännchen bzw. Girlandenkette nenne haben ebenso ihren Platz wie kunstvoll im Faltschnitt hergestellte Sterne und Fächer. „Puppen und Wichtel aus dem Kegel“ wie auch Hampelmänner und Papiermasken laden nach dem kreativen Werkprozess zum Weiterspielen ein. In dieser Weise noch nicht gesehen hatte ich den „Hasen aus Papierstreifen“, den ich unbedingt spätestens zum nächsten Osterfest nachmachen muss. Apropos Ostern, für dieses Fest finden sich Anleitungen für „geschnittene, gefaltete und geflochtene Eierkörbchen“ und Dekorationen von gekochten Eiern.

Mein Fazit zu dem Buch

Ich habe neue Anregungen bekommen und festgestellt, dass sich traditionelle Papierfaltmodelle und -techniken unabhängig von der ideologischen Ausrichtung der deutschen Staaten fortgesetzt haben. © 2024 Dr. Birgit Ebbert www.PapierZen.de www.birgit-ebbert.de